Ausstellungen

  • All Art is Photography

    Antonio Pérez Río, Liberty Leading the People, from the series Masterpieces, 2017

    Fotografie hat zwei Beziehungen zur Kunst. Sie kann selbst Kunst sein — ausdrucksstark, subjektiv, kreativ, erfinderisch. Und sie kann das technische Medium sein, mit dem alle anderen bildenden Künste — von der Malerei und Skulptur bis zur Performance — dokumentiert, reproduziert und publiziert werden. Was wir über Kunst wissen, wissen wir oft dank fotografischer Bilder von ihr: Gemälde, die wir im wirklichen Leben noch nie gesehen haben; Skulpturen, die wir noch nie umrundet haben.

    Diese beiden Rollen werden gewöhnlich voneinander getrennt, aber Fotografie und Fotograf*innen halten sich nicht unbedingt an Grenzen. Was passiert, wenn sich künstlerische Fotografie die anderen Künste zum Thema nimmt? Was vermag eine Kamera im Atelier eines Malers oder einer Malerin vor einer Skulptur oder in einer Kunstgalerie voller Menschen zu tun? Mit diesen Fragen setzt sich die Ausstellung All Art is Photography auseinander. Manche der beteiligten Fotokünstler*innen reflektieren die kulturelle Bedeutung von gedruckten Kunstbüchern. Andere wagen einen zweiten Blick auf die physischen Räume, in denen Kunst geschaffen und ausgestellt wird. Wieder andere beschäftigen sich mit dem komplizierten Verhältnis der Kamera zu Gemälden und Skulpturen als ästhetische Objekte.

  • Between Art and Commerce

    Hein Gorny, Untitled (Two men and fuse with AEG advertisement), 1930s gelatin silver print, ca. 24 x 18 cm

    Obwohl Fotografie eine Kunstform ist, bezieht sie sich nicht ausschließlich auf die Welt der Kunst. Sie spielt eine wichtige Rolle in sämtlichen Bereichen von Kultur und Alltag, die sich unvermeidlich überschneiden und im Dialog oder auch im Konflikt miteinander stehen.

    In vielerlei Hinsicht führte die Akzeptanz dieser komplexen Beziehung zwischen Kunst und Nicht-Kunst dazu, dass Fotografie in den 1920er- und 1930er-Jahren hochmodern wurde. Aus dem Verständnis heraus, dass Bilder in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen haben können, machten Fotograf*innen ambivalente Bilder. Ihre Arbeiten erschienen in kommerziellen Zusammenhängen und auf den Seiten avantgardistischer Zeitschriften. Einige Fotograf*innen arbeiteten gleichzeitig in den Bereichen Dokumentation, Reklame, Porträt, Mode, Wissenschaft, Kunst und mehr.

    Between Art and Commerce nähert sich dieser komplexen Situation über das Werk verschiedener Fotograf*innen, die unterschiedliche Positionen einnehmen. Die Ausstellung zeigt einen Künstler, der Bilder macht, die dann kommerziell genutzt werden; kommerzielle Fotograf*innen, deren Arbeiten auch in Kunstausstellungen zu sehen sind; einen Fotografen, dessen persönliches und dessen kommerzielles Werk nicht voneinander zu unterscheiden sind; einen Künstler, der Fotokunst über kommerzielle Fotografie macht und einen Wegbereiter all dieser Positionen, der in den 1920er- und 1930er-Jahren arbeitete.

  • Reconsidering Icons

    Jojakim Cortis & Adrian Sonderegger, Making of „The last photo of the Titanic afloat“ (by Francis Browne, 1912), from the series Icons, 2014

    Das ikonische Bild ist uns als Phänomen wohlbekannt. Zeitungen und Nachrichten-Portale bezeichnen Fotos regelmäßig als „ikonisch“. Wenn ein Foto tatsächlich bekannt wird, dauert es nicht lange, bis Nachrichtenkanäle daraus Profit schlagen, indem sie diese Bekanntheit in weiteren Artikeln thematisieren, die nur dazu dienen, die Reichweite und kulturelle Wirkmacht des Bildes noch zu steigern. Es entstehen eine Echokammer der Bilder und ein Spiegelsaal.

    Nur wenige der Milliarden von Bildern auf der Welt sind zu Ikonen geworden. Die Ausstellung Reconsidering Icons zeigt keine ikonischen Bilder und doch ist sie voll davon. Sie führt verschiedene Projekte aus den vergangenen Jahren zusammen, die Strategien der Neugestaltung, Überarbeitung und Neudefinition nutzen. Manche Projekte kehren zurück an den Entstehungsort ikonischer Bilder. Manche rekonstruieren sie. Manche spüren ikonischen Bildern in ihren verschiedenen medialen Erscheinungsformen nach. Manche nutzen neue Technologien wie Virtual Reality und 3D-Modeling, um uns zu Bildern zurückzuführen, die in früheren Epochen der Fotografie entstanden sind.

    Unabhängig von dem jeweiligen gezeigten künstlerischen Vorgehen nähert sich Reconsidering Icons dem ikonischen Bild als einer komplexen Form von kulturellem Gemeingut. Diese verlangt nach einer kritischen und philosophischen Betrachtung, aber auch nach einer spielerischen: Wenn ikonische Bilder unsere gemeinschaftliche Vorstellungskraft prägen, sollten wir fantasievoll mit ihnen umgehen.

  • Walker Evans Revisited

    George Georgiou, Mardi Gras Parade, from the series Americans Parade, Algiers, New Orleans, Louisiana, USA, 06/02/2016

    Unter allen berühmten Fotograf*innen des vergangenen Jahrhunderts ist Walker Evans (1903 – 1975) wohl derjenige mit der größten Relevanz und dem stärksten Einfluss. Einige seiner Bilder gehören zu den bekanntesten in der Geschichte des Mediums. Direkt und großzügig, analytisch und doch lyrisch, sorgfältig komponiert und doch ungezwungen – mit seiner Art zu fotografieren ebnete er Wege, auf denen ihm zahllose andere folgen sollten.

    Er beschäftigte sich auch mit der Idee, dass die fotografische Bedeutung im Bezug steht zu Kontext, Text und den Beziehungen zwischen Bildern, sei es in Ausstellungsräumen oder auf Buch- und Zeitschriftenseiten. Die Kontrolle über die eigenen Fotos zu haben, heißt auch, die Kontrolle darüber zu haben, wie sie in der Welt präsentiert und verbreitet werden. Evans war nicht nur ein bemerkenswerter Bildgestalter, sondern auch Redakteur, Autor und Designer.

    Walker Evans Revisited versammelt zwei verschiedene Arten von Reaktionen zeitgenössischer Künstler*innen und Fotograf*innen. Zum einen ist da die Fortsetzung und Erweiterung von Evans' Alltagsfotografie. Zum anderen zeigt die Ausstellung zahlreiche Projekte von Künstler*innen, die unmittelbar auf Bilder und Projekte von Evans reagieren. Diese reichen von Aneignung und Collage bis hin zu Neuinterpretation und Hommage.

  • When Images Collide

    Sohrab Hura, The Lost Head & The Bird, 2019 Film still, Single Channel Video, 10 Min

    Fotografie hat stets bemerkenswerte Einzelbilder hervorgebracht, aber im Grunde ist sie ein Kombinationsmedium. Um größere und komplexere Aussagen über die Welt zu treffen, werden Fotografien zusammengeführt: zu Serien, Archiven, Sammlungen, Alben, Abfolgen, Sequenzen, Geschichten oder Narrativen.

    Als die visuelle Kultur vom bedruckten Papier beherrscht wurde, konnten die Beziehungen zwischen den Bildern fixiert werden. Im Alltag des Bildschirm- und Internetzeitalters erleben wir Bilder oft eher wie Montagen und Collagen: fragmentarisch, multidirektional und verschoben. Zusammenhänge, die auf mögliche Bedeutungen verweisen, aber auch von Aussagen und Festlegungen ablenken.

    When Images Collide versammelt eine Reihe aktueller künstlerischer Positionen, die sich mit der Kombination von Bildern auseinandersetzen. Im Zentrum steht die Gegenüberstellung zweier Bilder und damit der Grundbaustein jeglicher Form von Bildmontage und -bearbeitung. Davon ausgehend entfaltet sich die Ausstellung in mehrere Richtungen. Dazu gehören komplexe analoge und digitale Collagen, der Einsatz von Standbildern in Film und Video sowie digitales Rendering und Installation.

  • Yesterday's News Today

    Clare Strand, from the series Snake, 2017

    Eine der wichtigsten Aufgaben des 21. Jahrhunderts besteht darin, dem 20. Jahrhundert einen Sinn zu verleihen, es bis auf die Knochen zu durchleuchten, um kleine Anhaltspunkte dafür zu entdecken, was aus uns geworden ist. Wir durchsuchen jenen „Haufen von Fragmenten privater Bilder vor einem zerschlissenen Hintergrund von Gemetzeln und Krönungen“, in dem der Schriftsteller Italo Calvino die „wahre, totale Fotografie“ erkannte.

    In den vergangenen zehn Jahren wurden Hunderttausende alte Nachrichtenfotos, meist Schwarz-Weiß-Bilder im Format 8x10 Zoll, online verramscht. Die Zeitungen kämpfen ums Überleben und die alten Fotos in ihren Archiven werden als Erstes aufgegeben. Die meisten gehen für wenige Dollar an den oder die erstbeste*n Käufer*in. Welches Schicksal auch immer diesen Fotografien bestimmt ist — sie finden sich in neuen Kontexten wieder, um von Künstler*innen umgedacht, von Sammler*innen erworben, von Historikerinnen untersucht und von Kurator\innen ausgestellt zu werden.

    Das Interesse, das Künstler*innen augenblicklich an alten Nachrichtenbildern zeigen, bewegt sich zwischen Medienarchäologie, Geschichte und Bildgestaltung. Die alten Fotos werden überarbeitet, aber auch re-präsentiert, damit wir sie in ihren fremdartigen neuen Zusammenhängen betrachten oder unvermutet antreffen können. Das Ergebnis ist eine Art Viel-Zeitlichkeit, in der das Bild als das gesehen wird, was es war, was es jetzt für die Künstler*innen und Betrachter*innen ist und was es in Zukunft werden könnte.