Fragen an F&D Cartier

F&D Cartier, Wait and See

Das Künstlerpaar beschäftigt sich mit grundlegenden Elementen der analogen Fotografie: mit Licht und fotosensiblem Material. Für die Ausstellung 1x1 der Kamera fertigen sie eine ortsspezifische Installation aus unberührten historischen Fotopapieren an. Die Papiere stammen aus den Jahren 1890 bis 1980. Sie werden an den Museumswänden ausgerichtet und reagieren auf die Lichtsituation in den Ausstellungsräumen des Wilhelm-Hack-Museums: Die schwarz-weißen Blätter entwickeln sich nach und nach von bunten zu dunklen monochromen Flächen.

F&D Cartier, Wait and See [Installation aus historischen Fotopapieren, unfixiert, Transformer Station, Cleveland, OH], 2016, variable Größe, Collection of Fred and Laura Ruth Bidwell © F&D Cartier

Eine Frage an F&D Cartier

F Eure erste Arbeit, die auf unberührte Fotopapiere zurückgreift, habt ihr 1998 angefertigt. Was hat euch damals dazu bewegt euch mit dem Material der Fotografie zu beschäftigen, anstatt neue Motive herzustellen? Bekommt eure Praxis angesichts der fortgeschrittenen Digitalisierung heute eine andere Bedeutung als sie Ende der 1990er Jahre hatte, als diese Debatte noch ganz am Anfang stand?

A Angesichts der neuen Technologie der Digitalfotografie und der Bilderflut während der 90er Jahre, begannen wir uns mit der Bedeutung von Bildern und den Entscheidungen auseinanderzusetzen, die hinter der Aufnahme von Bildern stehen. Im Bewusstsein, dass sich die Ära des Silbergelatinepapiers dem Ende neigt, entschieden wir uns es als einfaches Mittel für die Aufzeichnung von Zeit und Licht zu verwenden, um so das Potenzial hinter der Leerstelle des nie aufgenommenen oder nie abgezogenen Bildes zu hinterfragen. Wir erwecken diese Bilder zum Leben, fixieren sie nicht, sondern beobachten ihre stetige Veränderung. Langsamkeit. Wait and See.

Eine Perspektive, die in der Fotografieszene erst seit wenigen Jahren größere Aufmerksamkeit zu erfahren scheint.

F&D Cartier, Wait and See [Belichtungsproben im Atelier], 20. März 2015 © F&D Cartier

Wait and See ist Teil der Ausstellung 1 × 1 der Kamera im Wilhelm-Hack-Museum